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DIE KIRCHE VON STECHOW...
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Die kleine Kirche in Stechow, Landkreis Havelland, wurde 1469 erbaut. Es handelt sich aber nicht um einen Neubau. Bereits im 13. Jahrhundert hatten deutsche Siedler begonnen die Dorfkirchen in der Mark zu bauen. Und so hat auch die alte Glocke, die man damals vorfand, in einer Kapelle gehangen, die zu Zeiten eben dieser Siedler entstanden war. Vermutlich ist der Bau unter Eggert von Stechow ausgeführt worden. Schon 1375 wurde der Ort Stechow als Pfarrsitz erwähnt.
Immer wieder errichtete man auf den alten Feldsteinen neue Kirchen. Davon zeugt noch heute das Mauerwerk im Klostersteinformat über dem Eingang der Kirche. Der Ort selbst geht nicht auf eine slawische Gründung zurück, wie die meisten umliegenden Ortschaften, sondern trägt den Namen der Gründerfamilie.
Als Markgraf Joachim II. zum Protestantismus übertrat, setzte sich die Reformation in der Mark durch. Schon 1545 amtierte in Stechow ein evangelischer Pfarrer.
Die Kirche wurde 1731 ausgebessert und 1736 entstand ein Bildaltar. Der Kirchturm wurde 1865 einer größeren Reparatur unterzogen, da das Holz der Westseite morsch geworden war. Dabei ersetzte man auch Dachschindeln durch Schiefer. Die Kirche zeigte sich nun als massiver Putzbau mit rechteckigen Fenstern. Ein Spitzbogen wurde als Fenster in veränderter Form erhalten.
Der Innenraum der Kirche ist schlicht, flachgedeckt mit Westempore. Unter dieser Orgelempore befindet sich eine Winterkirche.
Die im Jahre 1856 durch Pastor Christian Ludwig Hülsen geweihten Orgel ist auch heute in gut spielbarem Zustand. Ebenfalls 1856 erfolgte ein kompletter Neuanstrich des Kircheninneren und der Bänke. Den Altar baute man zum Kanzelaltar um, das Kreuzigungsbild bekam einen Platz an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand.
Der Turmeingang und der Eingang an ddeer Südseite wurden vermauert. So konnte mehr Raum geschaffen werden und man war besser vor Kälte geschützt.
Durch die Familie Hülsen wurde das Pfarramt in Stechow von 1777 bis 1935 ausgeübt. Dabei ging das Amt stets vom Vater auf den Sohn über. Nur vier Pastoren versahen den Dienst während der langen Zeit! 1823 konnte J. G. Hülsen sein 50-jähriges Arbeitsjubiläum feiern. Im Jahre 1927 erlebte die Gemeinde mit der großen Familie Hülsen das ganz außergewöhnliche Ereignis des 150-jährigen Pfarrjubiläums.
Der Bruder G. H. Hülsen, August Ludwig, war der Erzieher und Lehrer des Barons Friedrich de la Motte Fouqué. er übte großen Einfluss auf den künftigen Dichter aus. Fouqué, der ab 1803 für ca. 30 Jahre im nahen Nennhausen lebte, verehrte Hülsen sehr. Die Gräber der Familie Hülsen befinden sich an der Kirchenmauer neben dem Eingang. 1946 amtierte kurze Zeit letztmals ein Mitglied dieser Pastorenfamilie in Stechow.
Die Gruft mit Grabstätten der Pastorenfamilie befindet sich unter dem Altar, zwei Familien hatten hier über die Jahrhunderte das Patronat. Die Stechows verkauften 1725 ihren Besitz an Ludwig von Bredow, Caspar Heinrich von Stechow bereute den Verkauf aber sofort, und ein 30-jähriger gerichtlicher Kampf entbrannte, den Friedrich II. zu Gunsten der Bredows entschied. Anteile an Stechow hielt die Familie von Stechow auf Kotzen bis 1916. (Ein Freund der Familie war übrigens Fürst Otto von Bismarck, der oft bei ihnen zu Gast weilte).
Die Bredows konnten ihren Besitz bis zur Bodenreform halten. Hier in Stechow, bei den Bredows, feierte man übrigens 1872 die Verlobung von Elisabeth von Plotho mit Armand von Ardenne. Aus Else wurde später das Vorbild für Fontanes "Effie Briest", und im wirklichen Leben wurde sie die Großmutter des Wissenschaf6tlers Manfred von Ardenne.
Nachdem die Kirche 1927, anlässlich des Pfarrjubiläums neu gestaltet worden war, erfuhr sie in den 80er Jahren eine gründliche Renovierung. Der Altar der Kirche, der über 100 Jahre ein Emporen-Kanzelaltar war, wurde nun wieder in den Originalzustand versetzt. Das Kreuzigungsbild wurde restauriert und nimmt nun wieder seinen alten Platz ein. Darunter im Sockel sieht man ein kleineres Gemälde, das Abendmahl darstellend. Beide Bilderstammen aus dem 18. Jahrhundert. Der Altar hat einen einfachen Säulenaufbau mit schwungvollen Akanthuswangen.
Im gesprengten Giebel sieht man den Auferstandenen zwischen zwei Engeln.
Sein Fuß ruht auf dem Erdball mit der Schlange, er hält die Siegesfahne erhoben, ebenso die Schwurhand. Ein Sinnbild seines Sieges über Tod und Vergänglichkeit! An den Wänden der Kirche entdeckt man Gedenktafeln für die Opfer der verschiedenen Kriege, die Hülsen-Pastoren, sowie die Patronatsherrschaften. Das Taufbecken war ein Geschenk der Hülsens anlässlich des Pfarrjubiläums von 1877, die Taufschale wurde schon 1662 von einer Patronatsherrin gespendet.
Aus der Zeit dieser Spende stammen auch ein Kelch und eine Taufflasche, die 1982 bei Dacharbeiten im Pfarrhaus gefunden wurden. Auch eine Besonderheit findet man in unserer Kirche, eine Truhe, ehemals als Reiseutensil bzw. als Lade für Messgewänder genutzt, und einen Opferstock, der aus einem Stamm gefertigt ist. Die Beschläge zeigen, dass beide Stücke dem 13./14. Jahrhundert entstammen.
Um die Kirche vielfältiger nutzen zu können, wurden die mittlerweile beschädigten Bänke, die sich nun auf der Orgelempore befinden, bei der Renovierung von 1979 abgebaut und durch die Stühle ersetzt. Die Anlage der Kirche ist gepflegt, die sie umgebende Mauer wurde in letzter Zeit erneuert. Das wunderschön restaurierte Pfarrhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wurde 1779 erbaut.
Die Kirche mit ihrem Schiff, das einen dreiseitigen Ostschluss hat und im Westen den mächtigen quadratischen Fachwerk-Dachturm mit Schweifhaube, steht an exponierter Stelle im Ortskern. Das Mauerwerk aus behauenem Feld- und Backsteinen ist wieder sichtbar. Die Stechower sind stolz auf ihre Kirche, deren imposantes Abbild sogar die Geschäftspapiere einer ortsansässigen Firma ziert. Sie zeugt heute, wie schon vor 600 Jahren, von der christlichen Tradition des Havellandes und wird diese Funktion dank ihrer Gemeinde auch weiterhin erfüllen. Der Turm erhielt 1991 einen neuen Kupferbelag. Von den ehemals drei Glocken überdauerte nur eine die Zeiten, allerdings mit einem Sprung. Nachdem sie kürzlich, in aufwendiger Aktion, repariert werden konnte, wird sie automatisch geläutet und erklingt nun wieder zum Lobe Gottes.





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